03.09.2026
Stellten die neue Kita- und Schulverpflegungsstudie der DZG vor (v. l.): Prof. Dr. Jana Rückert-John, Markus Grube, Stefan Lehmann und Dr. Marcel Klinge. Fotos: Isinova / Vielfalt Menü GmbH / Lehmanns Gastronomie GmbH / DZG
Steigende Waren- und Personalkosten treffen in der Kita- und Schulverpflegung auf wachsende Anforderungen und begrenzte Budgets. In einer Studie der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt bewerten 71 % der 305 befragten Caterer den erzielten Essenspreis im Verhältnis zu den geforderten Leistungen als nicht angemessen. Der durchschnittliche Nettoverkaufspreis liegt bei 4,21 Euro pro Mittagessen.
Für drei Viertel der befragten Anbieter ist der Preis das dominierende Zuschlagskriterium bei der Vergabe von Schul- und Kitaverpflegung. Das bedeutet nach Einordnung der Studie nicht, dass bei drei Vierteln aller Ausschreibungen automatisch das günstigste Angebot gewinnt. Die Ergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass Qualitätsanforderungen bei der Entscheidung häufig hinter dem Preis zurückstehen.
Gleichzeitig sollen die Caterer mehrere Menülinien, besondere Kostformen, Bioanteile, Ernährungsstandards und eine verlässliche Logistik anbieten. Teilweise stellen sie zusätzliches Personal und technische Ausstattung in den Einrichtungen bereit.
Als größte wirtschaftliche Herausforderungen nennen 93 % der Befragten steigende Warenkosten und 91 % hohe Personalkosten. Bei längerfristigen Verträgen ließen sich diese Steigerungen ohne finanziellen Ausgleich kaum auffangen, argumentiert die Denkfabrik. Dies könne insbesondere im ländlichen Raum dazu führen, dass Anbieter ihre Tätigkeit aufgeben.
"Wir erleben Ausschreibungen, in denen auf dem Papier sehr hohe Qualität verlangt wird, am Ende aber vor allem der Preis zählt. Das passt nicht zusammen", erklärt Caterer und Studieninitiator Markus Grube. Wer mehrere Menüs, Bioanteile, Logistik und Personal vor Ort bestelle, müsse diese Leistungen auch bezahlen.
Gutes Schulessen lasse sich nicht über einen Unterbietungswettbewerb sichern, betont Grube. Wenn Einsparungen notwendig würden, gingen diese häufig zulasten der Qualität und der Speisevielfalt.
Die Denkfabrik fordert deshalb, bei Ausschreibungen neben dem Preis auch Qualität, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit stärker zu gewichten.
Zusätzlichen Handlungsdruck erzeugt die stufenweise Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung. Für den weiteren Ausbau werden nach Einschätzung der Befragten mehr Küchen, Ausgabetechnik, ausreichend große Mensen und genügend Zeit für die Mittagspause benötigt.
66 % der Caterer bewerten die unzureichende Ausstattung in den Einrichtungen als wesentliche Herausforderung. Viele Unternehmen gleichen diese Lücken selbst aus: 73 % stellen zusätzliches Personal bereit, 62 % liefern Technik zum Warmhalten oder Regenerieren der Mahlzeiten. Ein Drittel bietet darüber hinaus Ernährungsbildung an.
"Eine reibungslose Ganztagsbetreuung kann nur funktionieren, wenn das Mittagessen von Anfang an mitgedacht wird", sagt Stefan Lehmann, Geschäftsführer von Lehmanns Gastronomie und ebenfalls Studieninitiator. „Zu kleine Mensen, fehlende Technik oder zu kurze Essenszeiten lassen sich später nur schwer korrigieren."
Die 305 Studienteilnehmer beliefern nach eigenen Angaben insgesamt 33.634 Kitas, Schulen und Horte. In einer durchschnittlichen Schulwoche produzieren sie zusammen mehr als 10 Mio. Mahlzeiten.
Eine Herausforderung bleibt die Beteiligung älterer Schülerinnen und Schüler. Nach Einschätzung der befragten Unternehmen liegt deren Teilnahmequote bei höchstens 50 %. Sechs von zehn Anbietern sehen darin ein Problem für ihre betriebliche Planung.
Ob Jugendliche das Mittagessen nutzen, hängt nach Einschätzung der Caterer nicht allein vom Speiseplan ab. Auch der Preis, die Bestellsysteme, die Länge der Mittagspause und die Atmosphäre in der Mensa spielten eine Rolle. Die Studie sieht deshalb neben den Caterern auch Schulen und Schulträger in der Verantwortung.
Die Untersuchung betrachtet Kita- und Schulcaterer zudem als mögliche Partner der kommunalen und staatlichen Krisenvorsorge. Drei Viertel der Befragten verfügen demnach über Notfallpläne für Personalausfälle, 74 % haben Vorkehrungen für Lieferkettenstörungen getroffen. Mehr als zwei Drittel bereiten sich auf Cyber- oder IT-Ausfälle vor.
"Großküchen, Lager, Fahrzeuge und erfahrenes Personal bilden ein dezentrales Netz, das im Ernstfall schnell unterstützen kann", erklärt Studienautorin Prof. Dr. Jana Rückert-John. Bund, Länder und Kommunen sollten diese Unternehmen aus ihrer Sicht frühzeitig in ihre Krisen- und Katastrophenschutzpläne einbeziehen.
Die Kita- und Schulverpflegung könne Ernährungsgewohnheiten früh prägen und Kindern unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern Zugang zu einer ausgewogenen Mahlzeit ermöglichen, heißt es in der Studie. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung empfiehlt in seinem Frühjahrsgutachten 2026 ebenfalls verbindliche Standards für eine gesunde Ernährung in Kitas und Schulen.
"Wir brauchen jetzt eine Qualitätswende bei der Vergabe von Kita- und Schulessen", fasst DZG-Sprecher Dr. Marcel Klinge die Forderung der Denkfabrik zusammen. Der Preis bleibe wichtig, dürfe aber nicht das alleinige Kriterium sein. Wenn der Staat die Ganztagsbetreuung ausbaue, müsse er auch verlässlich finanzieren, was eine gute und gesunde Mittagsverpflegung tatsächlich koste.
Grundlage der Studie "Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Kita- und Schulverpflegung im Spannungsfeld von Versorgungsauftrag, Qualität und Kostendruck" sind eine bundesweite Onlinebefragung von 305 Caterern, Interviews mit Fachleuten sowie die Auswertung von Literatur und Branchendaten.
Die Befragung ist nicht repräsentativ und erlaubt keine Hochrechnung auf den gesamten deutschen Markt. Die hohe Teilnehmerzahl ermöglicht jedoch erstmals einen fundierten explorativen Einblick in den deutschen Kita- und Schulverpflegungsmarkt. Sie wurde 2026 vom Institut für Sozialinnovation im Auftrag der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt erstellt. Finanziert wurde die Untersuchung von mehreren Unternehmen der Kita- und Schulverpflegung sowie dem Verband Deutscher Schul- und Kitacaterer.
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