11.02.2026
Zum Auftakt der Biofach 2026 appelliert Bioland an Politik und Marktpartner: "Bio gemeinsam auf Kurs halten – und Zaudern beenden."
Ein Rekordumsatz von über 18,2 Milliarden Euro im Jahr 2025 und insgesamt fast 400.000 Arbeitsplätze: Die am Dienstag bei der Biofach durch den Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) vorgestellten Branchenzahlen verdeutlichen: Bio ist längst ein zentraler Pfeiler der deutschen Wirtschaft. "Damit das so bleibt, dafür müssen alle an einem Strang ziehen; die Politik einerseits und alle Beteiligten der Wertschöpfungskette andererseits", mahnt Bioland. Für langfristig mehr Bio brauche es sowohl die Honorierung ökologischer Leistungen durch auskömmliche Erzeugerpreise als auch einen praxisnahen gesetzlichen Rahmen, der ökologische Systemleistungen anerkennt.
Bei der Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027 fordert Bioland eine Neuausrichtung. Insgesamt müsse die GAP einfacher und unbürokratischer werden. Und sie müsse deutlich stärker dazu beitragen, dass die Landwirtschaft nachhaltiger wird. Ein festes Umweltbudget von mindestens zwei Dritteln des GAP-Gesamtbudgets sei unbedingt erforderlich, um den besonders nachhaltigen Betrieben Planungssicherheit zu geben. [BÖLW-Stellungnahme GAP 2027]
Den kürzlich von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf für ein neues Düngegesetz kritisiert Bioland als unzureichend. Ein neues Düngegesetzes sei vor dem Hintergrund der aktuellen rechtlichen Unklarheit zwar dringend geboten. Aber der vorliegende Entwurf greife zu kurz, um die Hauptverursacher von Nährstoffüberschüssen gezielt zu adressieren und wirklich effektiven Grundwasserschutz sicherzustellen. Zu begrüßen sei, dass auf Basis des bundesweiten Wirkungsmonitorings zukünftig Ausnahmen für nachweisliche gewässerschonende Betriebe, wie gesamtumgestellte Bio-Betriebe, geschaffen werden können. [BÖLW-Stellungnahme Düngegesetz]
Bioland-Präsident Jan Plagge: "Verbraucherinnen und Verbraucher wollen mehr Bio, dazu braucht es mehr Bio-Betriebe. Das Zaudern beim nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft muss auch vor diesem Hintergrund jetzt dringend zu einem Ende finden. Die Ökologische Landwirtschaft als zukunftsfähiges Landwirtschaftssystem vermeidet überhöhte Nährstofffrachten systembedingt, unter anderem durch flächengebundene Tierhaltung und den Verzicht auf chemisch-synthetische Betriebsmittel. Die vielfältigen Öko-Systemleistungen von Bio sollten nicht nur anerkannt, sondern auch mit einer Reduzierung bürokratischer Hürden sowie adäquater Förderpolitik wirkungsvoll honoriert werden. Das würde das dringend benötigte Signal in den Agrarsektor senden, dass sich eine nachhaltige Wirtschaftsweise auf mehreren Ebenen lohnt."

Bioland-Präsident Jan Plagge.
Neben den politischen Rahmenbedingungen sei die wirtschaftliche Sicherheit der Bio-Betriebe entscheidend. Zur Biofach veröffentlichen Bioland, Naturland und Demeter den aktualisierten gemeinsamen Orientierungspreis für Bio-Milch. Aktuell brauchten Bio-Milchbetriebe der drei Verbände 69,8 Cent je Kilogramm Rohmilch, um auskömmlich wirtschaften zu können und ihre hohen Standards beibehalten zu können. Zwar erreichten die Erzeugerpreise im Jahr 2025 mit durchschnittlich 65,6 Cent einen neuen Höchstwert und damit die Nähe des errechneten Orientierungspreises, doch stünden die Preise aktuell schon wieder unter Druck und sanken zuletzt leicht. Gleichzeitig seien die Kosten für Löhne, Grundfutter sowie Instandhaltung von Maschinen und Bauten weiter angestiegen.
Jan Plagge unterstreicht vor diesem Hintergrund: "Die Nachfrage nach Bio-Milch ist gut und die Bio-Milchpreise erweisen sich aktuell mal wieder als vergleichsweise deutlich stabiler. Grund zum Ausruhen gibt es aber nicht. Alle Marktpartner sollten dafür sorgen, dass die Wertschätzung für Bio-Milcherzeuger auf diesem hohen Niveau bleibt. Handlungsbedarf gibt es vor allem auch im EU-Bio-Recht. Die Vorschläge der EU-Kommission zur Änderung der EU-Öko-Verordnung sind richtig und gut. Doch es braucht jetzt dringend weitere Schritte, mit denen die aktuell noch bestehenden rechtlichen Unklarheiten in der Öko-Tierhaltung angegangen werden. Hier erwarten wir von EU-Agrarkommissar Hansen eindeutige Signale bei seinem Besuch auf der Biofach."
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